Seemannsliebe

Ein Gaukler, das bin ich jetzt. Ein Einheizer für die große Schau. Erzähl dem Publikum von meinen Jahren auf großer See und in fremden Häfen. Was von den Geschichten selbstgesponnenes Garn ist, weiß ich nicht mehr. Der Alkohol lässt alles verschwimmen. „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“ trage ich jeden Abend mit meinem Schifferklavier vor. Eine große Lüge, ich bin am Boden.
Ich bin das Vorprogramm für so eine junge Dirn. Verzaubert hat sie auch mich. Ist es ihr Tanz? Ist es ihre Jugend? Ist da mehr? Ich, im hohen Alter, eingelaufen im Heimathafen. Die großen Zeiten hinter mir, überall bin ich gewesen: Südsee, Shanghai, Amerika. Nun bin ich zurück in Hamburg und da ist sie: Ein Engel in meinen Augen! Wie sag ich es ihr? Was sag ich ihr? Alt bin ich, solange unterwegs gewesen und nun erst habe ich sie gefunden: Meine große Liebe! Wie gestehe ich es ihr? Ach, was will so eine tanzende Fee schon mit einem alten, gegerbten, zerfressenen, gebrochenen Seemann wie ich einer bin. Gestehe ich es mir ein? Gestehe ich ihr meine Liebe? Oder schau ich mir nur wieder den Flaschenboden an?

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