Was ist der Unterschied zwischen Behinderung und Krankheit?

Peter: Boah, ganz schwer. Ich kann versuchen das zu definieren. Eine Krankheit bricht im Körper aus, wie eine Kettenreaktion, unaufhaltbar, manchmal kommt dann dadurch die Behinderung zustande. So habe ich das bei mir erlebt.

Birgit: Die Behinderung kommt bei mir durch die Tetraspastik oder durch die Lähmung. Das war durch die Pockenschutzimpfung damals. Das hat der Arzt festgestellt. Wenn da die Beine verkrümmen, dann tun die weh. Dann kann man die auch nicht mehr heilbar machen. Das bleibt im Körper drin. Das bedeutet, dass die Behinderung nicht heilbar ist. Eine Krankheit ist einfach, dass man krank wird; dass man sich [vorübergehend] nicht gut fühlt. Das ist die andere Variation.

Peter: Ja, wie bei mir neulich. Aus heiterem Himmel war ich krank. Richtig krank. Die Natur hat mich geärgert. Einen Tag vorher ahnt man noch nichts Böses. Und am nächsten Tag liegt man krank in der Falle. Wenn man krank ist, schaltet sich der Körper aus. Dann ist der Körper schwach, er schwächt sich ab, es schwächt sich alles ab. Dann ist nicht mehr möglich einen Brief zum Briefkasten zu bringen.

Birgit: Wenn man behindert ist, ist man behindert. Dann ist man gezwungen behindert zu sein. Ich bin behindert geboren. Ich kann’s jetzt nicht genauer beschreiben. Ich weiß von meiner Erfahrung, dass ich damit umgehen muss. Dass ich lernen muss mit der Behinderung zu leben.

Peter: Das ist auch Selbstakzeptanz.

Birgit: Mir hat man gesagt, beim Behindertsein ist wichtig, dass man sich sagt: Ich bin so wie ich bin und nicht anders.

Peter: Man muss mit viel mehr Tapferkeit durchs Leben gehen.

Birgit: Ja. Man muss sich immer sagen, man ist kämpferisch, man ist tapfer und mutig.

Peter: Und nie an Selbstvertrauen und Lebensmut verlieren. Das sind die wichtigen Dinge.

Birgit: Ja. Dass man sagt: Man ist so wie man ist. Und man lebt damit. Alle hier in der barner leben damit. Manche waren früher fit und sind jetzt anders. Und alle müssen damit umgehen. Ich frage mich: Wenn ein anderer Mensch behindert wird, wie ist das? Man hat nicht das Bedürfnis behindert zu sein. Man wünscht es sich nicht.

Peter: Bei manchen hier habe ich das Gefühl, die sind gar nicht behindert; die gehen jeden Abend selbstbestimmt und selbstständig zu Konzerten. Juri zum Beispiel. Die wissen, was sie wollen.

Birgit: Das wissen wir doch alle. Wir arbeiten damit. Mit Texten. Mit Selbstbewusstsein. Mit Musik. Man sitzt hier ja nicht rum. Man hat Motivation. Früher hatte ich oft das schreckliche Gefühl: Warum bin ich eigentlich? Bis viertel nach Vier musste ich früher immer in der Behindertenwerkstatt arbeiten. Das war nicht gut. Da musste ich Geodreiecke sortieren, Kabelverschraubungen machen, Gummidichtungen, so ’ne blöde Scheiße. Aber jetzt habe ich ein gutes Gefühl, jetzt bin ich in der barner 16 und fühle mich pudelwohl.

Peter: Was für mich bei Juri das Besondere ausmacht, ist, dass er sein Leben führt und auch zeigt, dass behindert nicht gleich behindert ist.

Es gibt auch vorübergehende Behinderungen.

Peter: Manche Straßen haben das.

Birgit: Für Menschen, die behindert sind, gibt es keine Heilbarkeit.

Jan: Behinderung ist ein konstruierter Zustand, der hauptsächlich von der Gesellschaft bedingt wird. Krankheit ist eine Einschränkung, die kurzfristig oder langfristig zur Einschränkung einer Tätigkeit führt. Bei anhaltenden Schwierigkeiten kann sie zu einer Behinderung werden.

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