Der Tag der verpassten Chancen

Vor ein paar Tagen ist mir aufgefallen, dass der aktuelle deutsche Nationalfeiertag ebenfalls Tag der deutschen Einheit heißt. Macht mehr Sinn als beim 17. Juni, denn nun sind die beiden deutschen Staaten zu einem Staat zusammengeschlossen. Obwohl: eigentlich wurde die DDR nur in die BRD eingemeindet. So ist der Tag der deutschen Einheit eigentlich ein Trauer- und Gedenktag, der zeigt, dass etwas in der DDR schief lief.

Einer misslungen Revolte in der DDR wurde in der BRD am 17. Juni gedacht. Der 3. Oktober steht für die Zerstörung eines Traumes.

Das totalitäre System der DDR zerfiel glücklicherweise. Viele der treibenden Kräfte dieser Revolte wollten eine neue Gemeinschaft aufbauen: sozial, basisdemokratisch, außerhalb des Kapitalismus, humanistisch. Doch innerhalb eines Jahres wurde dieser schwierige Weg eines neuen Anfangs zerschmettert. Das „Böse“ hat gewonnen, vielen Dank an die schweigende Mehrheit. Nun sind wir eine größere Gemeinschaft mit verfestigten, verkrusteten ideologischen Gedankengut. Der Weg ist jetzt schwieriger geworden, doch so manch einer von uns geht ihn.

Nation, was ist das? Nation ist nicht gleichzusetzen mit Volk. In der deutschen Nation leben Deutsche, Österreicher, Sorben, Polen, Friesen, Türken, Wenden, Roma, Dänen, Syrer, Sinti und viele andere. Wir alle gehören zusammen. Wer in unserer Gemeinschaft lebt, leistet automatischen seinen sozialen Beitrag, einfach durch seine Anwesenheit. In einer Gemeinschaft setzt jeder seine Stärken ein, um das Gemeinsame voranzubringen. Wenn es perfekt läuft, gibt es keine Verlierer mehr. Die Macht der Stärkeren muss vergemeinschaftet werden, weg vom Kapitalismus, weg vom Totalitarismus. Jeder hat das Recht, seine Individualität zu leben.

Gibt es eine deutsche Kultur? Gibt es überhaupt eine nationale Kultur? Wir sind in einem Zeitalter, wo Ideen schneller als früher von Ort zu Ort, von Mensch zu Mensch wandern. Wer hier auf Tradition pocht, kann sie gerne für sich ausleben, kann jedoch nicht die Kulturweiterentwicklung der Anderen verhindern. Wenn einem solch ein Feiertag wie der Tag der deutschen Einheit wichtig ist, sollte man ihn nicht besinnungslos feiern. Neh, innehalten, nachdenken über: Wer wir über-80-Millionen-Menschen in der BRD sind, wie wir besser zusammenleben, keinen ausschließen.

Ich gehöre zu den Leuten, die diesen Feiertag zum Ausschlafen nutzen. Es ist Entspannung, was diese Gesellschaft braucht. Es gibt wichtigeres als einen Nationalfeiertag: LEBEN, gemeinsam!

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