Birgit, beherzt

Manchmal ist so eine Brodel-Funktion in mir drin. Da brodelt das immer. Und wenn ich Flüchtlingsopfer sehe, dann finde ich das furchtbar. Dann werde ich unruhig und stehe kurz davor auszurasten. Ich muss mich dann abbremsen. Wenn mich keiner bremsen kann, dann muss ich sagen: Stopp! Jetzt komm mal runter von deinem Baum. Das ist furchtbar. Ich schlafe dann und bekomme dann automatisch Panikattacken. Dann dreh ich mich um und schlafe dann weiter. Dann geht das Schlag auf Schlag. Dann ist man eine Maschine. Dann versucht man nachzudenken, was kann man verbessern, was kann man verändern. Der Körper finanziert sich ja immer wieder aufs Neue. Er verändert sich immer zum Neuen.

Dass den Menschen geholfen wird, soll jetzt mal Standard sein. Ich will dass jeder zu seinem Recht kommt. Es gibt ja zwei Variationen. Punkt eins ist: Was kann man dafür tun, um den Flüchtlingen zu helfen? Punkt 2 ist, dass das Flüchtlingsheim kein Gefängnis ist, es aber so aussieht. Sonst haben die überhaupt nichts, nicht mal einen Fernseher oder eine Kompaktanlage, so wie ich. Weil die kein Geld haben.

Es ist einfach nur schade und einfach nur traurig. Vielen Menschen geht es gut. Wir haben eine Wohnung, wir haben ein Haus. Aber die, die haben nichts. Was glaubst du, wie unangenehm das denen ist? Wir brauchen kein Flüchtlingsheim, sondern wir brauchen eine ganz andere Flüchtlingsstruktur. Wir müssen denen helfen, wir sind eure Beschützer, wir lieben euch. Ihr kommt zu eurem Recht. Ihr seid doch keine schlechten Menschen oder Opfer. Das finde ich schon wichtig.

Wenn wir nichts haben, dann können wir denen auch nicht helfen. Wenn man jetzt sagt, man baut eine Struktur, da muss man natürlich auch sagen, jetzt gelten bestimmte Regeln, an die man sich halten muss. Ich muss mich ja auch an gewisse Regeln halten. Ich gehe ja auch zur Arbeit. Eigentlich sollte ich mich freuen, dass ich Arbeit habe. Flüchtlinge dürfen nicht mal arbeiten.

Die schließen die Räume auf und gucken, ob die Flüchtlinge dort gut untergebracht sind. Wenn es essen gibt, dann holen sie die raus und dann gehen die wieder rein. Sie machen sonst gar nichts, nur schlafen. Wir haben eine ganz andere Struktur, wir haben Arbeit. Wir sind natürlich beschäftigt, weil wir Geld verdienen müssen. Weil wir das Haus finanzieren, Konzertbesuche machen und Einkäufe … das ist ja auch zivil. Man fährt auf eine Freizeit. Man fragt sich: Was will ich überhaupt? Welche Wünsche habe ich? Ich kann sagen: Okay, du, pass auf. Wir können da drüber reden. Oder ich sage: Du, ich bin heute nicht so gut drauf, da muss man mich nicht ansprechen.

Was ich aber für ein anderes Problem habe, was mich aufregt, sind die Opfer! Ich hab gestern einmal Fernsehen geguckt und ich habe den Fernseher sofort ausgemacht.

Da muss man sich freuen, dass man so nette Menschen hat. Um den Menschen zu helfen, macht man den Menschen eine Freude. Wenn man mir eine Freude machen möchte, dann sagt man: Ich würde mich freuen dich wiederzusehen. Oder ich melde mich. Man kann den Menschen ein gerechtes Leben schenken.

Du bist richtig motiviert. Weil du genau weißt, du siehst dich selber als Mensch. Als Helfer oder als Hilfskraft und als Freund. Man kann viele Dinge auch finanziell machen und man muss viele Dinge auch finanziell machen. Man will und man kann! Man kann sagen: Ich helfe dir und du hilfst mir.

Es ist egal, ob ich zu Hause bin oder hier. Meine Mutter sagt auch: Du bist unser Kind und du wirst unser Kind bleiben. Zu mir hat man immer gesagt: Du bist unser Sonnenschein. Meine Oma hat gesagt, dass ich abgeschoben bin. Aber das bin ich nicht. Ich bin seit 14 Jahren in Alsterdorf. Hier hat mir noch niemand gesagt, dass ich abgeschoben bin. Ich stelle jetzt mein Leben um und mache eine Arbeit, die mir wichtig ist. Ich will selbstständig sein. Ich bin ein freier Mensch und ich bin ein freier Mitbürger. Ich mache für mich selber. Ich bin für mich zuständig. Wenn ich meine Sachen nicht mache, dann kann ich auch nichts lernen. Ich lerne etwas, weil ich selbstständig bin.

Man baut den Leuten eine Zukunft auf. Eine Zukunft für die Flüchtlinge. Das muss man auch finanziell machen. Wir schreiben Texte für die Flüchtlinge. Man spendet Trost, Liebe und Vertrauen. Das Leben ist ja auch nicht ganz strukturell. Man muss ja auch erkennen, dass man ein Stück seiner Fähigkeiten aufbaut. Man macht sich viele Gedanken. Man schreibt die Gedanken in Texte.

Man sollte immer nett sein. Man sollte immer sagen: Du bist willkommen, wir lieben dich einfach. Man kann immer sagen: Es tut mir leid, wenn ich dich verletzt habe. Man kann ja sagen: Ich mag dich nicht; aber wir müssen ja miteinander auskommen.

Wir Menschen gehören ja auch zum Teil zur Welt. Egal ob im Rollstuhl. Aber es gibt viele Menschen, die sich nicht helfen können. Wenn man ein Mensch mit einer Behinderung ist oder ein autistischer Mensch, dann kann man immer noch sagen: Jeder Mensch hat seine Fähigkeiten, immer. Er wird immer daran glauben, ich bin nicht wie du, aber ich bin wie ich, und ich lebe damit und du lebst damit.
Ein Flüchtling kann auch „behindert“ sein. Es geht jetzt nicht um mich selber, und es geht nicht darum, was man will, sondern darum, was man leisten kann. Es geht einfach darum, dass man sagt: Ja man will und man kann.

Also, wir haben ja unsere Arbeitsstruktur, wir arbeiten ja auch mit ganz viel Spaß dran. Wenn wir dann eine Spaß-Grenze haben, dann ist das doch gut. Für mich ist es ganz gut, wenn ich Spaß-Grenzen habe. Andererseits finde ich, dass wir den Spaß auch mal aufbringen können. Wir können mal gucken, wie man den Flüchtlingen Spaß macht. Ich habe dieses Bedürfnis meinen Spaß mit anderen zu teilen. Ich würde es gerne machen. Wenn jetzt jemand weggeht, dann ist das eine ganz andere oder keine Spaßfunktion.

Die Flüchtlinge müssen Hilfe haben. Manche haben auch bestimmte Rituale. Man muss auch sehen, dass man ein bisschen nachdenkt.

Wenn ich mir überlegen würde, wenn ich jetzt ein Flüchtling wäre, dann müsste ich sagen, ich bin kein Mensch, ich bin ein Flüchtling.
Ein Flüchtling ist oft hilflos. Jeder Mensch hat seine Möglichkeiten. Dass die armen Flüchtlinge keine haben, ist bittertraurig. Die Politik begeht Flüchtlingsmord. Es wird gelabert, es wird gesprochen über Krise und Opfer. Was haben wir denn davon? Es wird einfach keine Reaktion geführt, es wird keine Funktion geführt, es wird nur gelabert. Darum geht es nicht, es geht um Strukturen, es geht um Hilfsmittel. Das ist wichtig.

Das ist natürlich auch eine Sache, die mir ganz wichtig ist. Einerseits kann ich sagen, ich verstehe die Situation. Ich bin sehr konfrontiert mit den Flüchtlingsdramen und den Krisen.

Wir kommen nicht ans Ziel, weil wir keine Maßnahmen wollen und keine Maßnahmen haben. Wir sind nicht von heute auf morgen gut, wir sind nicht perfekt. Aber jeder muss nicht perfekt sein.

Es gibt Zerstörer, die alles zerstören, aber wir sind gute Menschen, wir bauen eine Spaßwelt. Wir bauen eine Welt, in der wir lustig sind, in der wir lachen und in der wir weinen.

Das gebe ich nicht nur euch mit, sondern der ganzen Zukunft.

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