Der Wahn des Flaschensammlers

St. Pauli am Ende einer feuchten und stürmischen Nacht. Eine Straßenlaterne flackert im Wind. Das Quietschen eines Einkaufswagen ertönt, eine buckelige Gestalt davor. Sie bückt sich, um das Gold der Straße zu heben.
Nach Jahren in seiner Langenfelder Burg traut er sich wieder raus, macht seine Raubzüge durch die Hamburger Vorstadt. Er fühlt sich erhaben und reich, hält er doch die Straßen seiner Stadt rein. Ein König ist er, seine Untertanen jubeln ihm hinterher und schmeißen das Gold vor seine Füße. Ein Volk, das freiwillig Steuern zahlt; ein guter Herrscher muss er sein.
Am Ende eines erfolgreichen Tages schiebt er seine Einnahmen zu seinem Goldspeicher. Voller Vergnügen schiebt er jedes wertvolle Geschenk seiner ergebenen Bürger in den Tresor. Die Quittung zeigt ihm: Heute kann er sich wieder sein seeliges Wasser des Lebens aus der Vorratskammer des Penny’s holen.
Er schlendert lallend zurück in seine Langenfelder Trutzburg.
Zurück in seinem Regierungssitz öffnet er die Tür seines Balkons: Er wird, wie jeden Samstag, seine mittägliche Regierungsansprache seinem Volke zu rufen. Heute kanzelt er die Umwelt-verschmutzende Partyjugend ab.

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